Versorgung erhalten - Medizin vor ort sichern

Die medizinische Versorgung wird schlechter, wenn Leistungen begrenzt werden, obwohl der Bedarf bleibt.
Neue gesetzliche Ausgabengrenzen treffen auch ambulante Operationen, Vorsorge und weitere medizinisch notwendige Leistungen. Gleichzeitig sollen Hausärzte mehr Steuerungsaufgaben übernehmen und mehr Behandlungen ambulant erfolgen.
Die Folge: weniger verfügbare Leistungen, längere Wartezeiten und zunehmender Druck auf die wohnortnahe Versorgung.
Erst Versorgung planen. Dann Kosten begrenzen. Nicht umgekehrt.
Betrifft mich das?
Die neuen Regelungen betreffen nicht nur Arztpraxen und Kliniken. Sie können sich ganz konkret darauf auswirken, wie schnell und wo medizinische Leistungen für Sie verfügbar sind.
Sie warten auf eine ambulante Operation
Zum Beispiel eine Arthroskopie, einen HNO-Eingriff oder eine gynäkologische Operation.
Sie gehen regelmäßig zur Vorsorge oder Früherkennung
Diese Leistungen müssen unabhängig von begrenzten Praxisbudgets verlässlich verfügbar bleiben.
Sie sind auf Ihren Hausarzt angewiesen
Zusätzliche Steuerungsaufgaben können die bereits heute knappen hausärztlichen Kapazitäten weiter belasten.
Sie benötigen einen Facharzttermin
Wenn zusätzliche Behandlungswege über den Hausarzt gesteuert werden, können neue Engpässe und Wartezeiten entstehen.
Wenn einer dieser Punkte auf Sie zutrifft, betrifft die Reform auch Ihre Versorgung.
Was kann das konkret bedeuten?
Gesundheitspolitische Regeln wirken zunächst abstrakt. Für Patientinnen und Patienten können daraus jedoch ganz konkrete Probleme im Alltag entstehen.
Ihre ambulante Operation
Sie benötigen eine medizinisch sinnvolle ambulante Operation. Die Praxis könnte den Eingriff medizinisch und organisatorisch durchführen, zusätzliche Leistungen werden durch begrenzte Budgets jedoch wirtschaftlich zunehmend schwieriger.
M ögliche Folge:
Der Eingriff wird später angeboten oder es entstehen längere Wartezeiten.
Ihre Vorsorge
Sie möchten eine Vorsorge- oder Früherkennungsuntersuchung wahrnehmen. Auch solche Leistungen stehen unter zunehmendem finanziellen Druck, wenn ihre Vergütung begrenzt wird.
Mögliche Folge:
Termine werden knapper oder zusätzliche Vorsorgekapazitäten werden nicht mehr aufgebaut.
Ihr Hausarzt und Facharzttermin
Hausärzte sollen künftig stärker steuern, koordinieren und über weitere Behandlungsschritte entscheiden. Dafür stehen jedoch nicht automatisch mehr Ärzte, Personal oder Zeit zur Verfügung.
Mögliche Folge:
Der Hausarzt wird zum zusätzlichen Engpass und der Weg zum Facharzt kann länger dauern.
Versorgungslücken entstehen nicht erst, wenn eine Leistung verboten wird. Sie entstehen auch dann, wenn vorhandene medizinische Möglichkeiten praktisch immer schwerer erreichbar werden.
Warum passiert das?
Hinter den möglichen Folgen stehen mehrere gesundheitspolitische Veränderungen. Drei Begriffe sind dabei besonders wichtig.
Budgetierung
Was bedeutet das?
Für ärztliche Leistungen steht nur eine begrenzte Gesamtsumme zur Verfügung. Steigt der medizinische Bedarf darüber hinaus, wird zusätzliche Versorgung nicht automatisch zusätzlich vergütet.
Warum ist das problematisch?
Eine Praxis kann Leistungen nicht unbegrenzt erbringen, wenn Personal, Räume und medizinische Infrastruktur weiter bezahlt werden müssen, zusätzliche Behandlungen aber wirtschaftlich nicht ausreichend abgebildet sind.
Ambulantisierung
Was bedeutet das?
Mehr Operationen und Behandlungen sollen ohne stationären Krankenhausaufenthalt durchgeführt werden – zum Beispiel in Praxen oder ambulanten OP-Zentren.
Warum ist das problematisch?
Ambulantisierung ist grundsätzlich sinnvoll. Sie funktioniert aber nur, wenn genau die ambulanten Strukturen, die diese Leistungen übernehmen sollen, verlässlich finanziert werden.
Primärarztsystem
Was bedeutet das?
Hausärzte sollen stärker als erste Anlaufstelle dienen und weitere Behandlungen und Facharztkontakte koordinieren.
Warum ist das problematisch?
Zusätzliche Steuerung benötigt zusätzliche Zeit und Kapazität. Werden neue Aufgaben auf bereits ausgelastete Hausarztpraxen übertragen, können neue Engpässe entstehen.
Das Problem ist nicht Veränderung an sich. Das Problem entsteht, wenn neue Aufgaben und Begrenzungen eingeführt werden, ohne vorher sicherzustellen, dass die Versorgung sie tragen kann.
Was wir fordern
Wir fordern keine unbegrenzten Ausgaben und keine Sonderrechte für einzelne Berufsgruppen. Wir wollen, dass medizinisch notwendige Versorgung auch unter neuen finanziellen Rahmenbedingungen verlässlich verfügbar bleibt.
Ambulante Operationen verlässlich finanzieren
Wer mehr Behandlungen aus dem Krankenhaus in den ambulanten Bereich verlagern will, muss dafür stabile wirtschaftliche Rahmenbedingungen schaffen.
Was heißt das für Sie?
Notwendige ambulante Operationen dürfen nicht an finanziellen Grenzen scheitern und in das allgemeine Budget der Praxis fallen.
Vorsorge und Früherkennung schützen
Prävention und Früherkennung dürfen nicht davon abhängen, wie viel von einem Praxisbudget noch verfügbar ist.
Was heißt das für Sie?
Vorsorge darf nicht an einem knappen Budget scheitern.
Hausärzte stärken, bevor sie mehr Aufgaben übernehmen
Mehr Steuerung und Koordination funktionieren nur mit ausreichender Zeit, Personal und Versorgungskapazität.
Was heißt das für Sie?
Zusätzliche Steuerung darf nicht zu zusätzlichen Wartezeiten führen.
Folgen neuer Regelungen vorab prüfen
Gesundheitspolitische Maßnahmen müssen vor ihrer Einführung darauf geprüft werden, welche Auswirkungen sie tatsächlich auf Wartezeiten, regionale Versorgung und medizinische Kapazitäten haben.
Was heißt das für Sie?
Versorgungslücken dürfen nicht erst sichtbar werden, wenn sie bereits entstanden sind.
Reformen gemeinsam mit der Versorgung entwickeln
Ärztliche, pflegerische und versorgungspraktische Expertise muss frühzeitig in politische Entscheidungen einbezogen werden.
Was heißt das für Sie?
Neue Regeln müssen nicht nur auf dem Papier funktionieren, sondern auch im medizinischen Alltag.
Erst Versorgung planen. Dann Kosten begrenzen. Nicht umgekehrt.
Aktuelles & Hintergründe
Wer genauer wissen möchte, wie die Reform wirkt und wo die zentralen Widersprüche liegen, findet hier vertiefende Informationen und Quellen. Die wichtigsten Begriffe sind im Glossar am Ende der Seite erklärt.
Warum die geplante Budgetierung problematisch ist
Wenn medizinischer Bedarf weiter besteht, die Vergütung aber begrenzt wird, kann zusätzlicher Versorgungsbedarf wirtschaftlich immer schwerer aufgefangen werden.
Ambulantisierung: politisches Ziel und praktischer Widerspruch
Deutschland will mehr Eingriffe ambulant durchführen. Das funktioniert nur, wenn die dafür notwendigen ambulanten Strukturen verlässlich finanziert werden.
Primärarztsystem: mehr Steuerung braucht mehr Kapazität
Hausärzte sollen stärker steuern und koordinieren. Zusätzliche Aufgaben können aber nur funktionieren, wenn ausreichend Zeit, Personal und Kapazitäten vorhanden sind.
Wer wir sind
„Versorgung erhalten“ ist eine unabhängige Initiative aus der medizinischen Versorgung.
Wir möchten auf mögliche Fehlentwicklungen aufmerksam machen, konkrete Folgen für Patientinnen und Patienten sichtbar machen und dafür werben, gesundheitspolitische Reformen stärker an der tatsächlichen Versorgungsrealität auszurichten.

Prof. Dr. med. Michael Kraus
Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie
Orthix Zentrum, Augsburg
Bringt die Perspektive der ambulanten fachärztlichen und operativen Versorgung ein.

Dr. med. Stephanie von dem Berge
Fachärztin für Anästhesiologie
Praxisklinik Augsburg, Augsburg
Bringt die Perspektive der ambulanten Anästhesie und der praktischen Organisation operativer Versorgung ein.

Dipl.-Kfm. Stefan Elmshäuser
Diplom-Kaufmann, Geschäftsführer Institut für Beratung im Gesundheitswesen sowie Südklinik, Münster und der Deutschen Praxisklinikgesellschaft e. V.
Bringt die Perspektive von Praxisorganisation, Praxiskliniken und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen der ambulanten Versorgung ein.

Dr. med. Timo Rother
Facharzt für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde
HNO-Zentrum Dres. Rother und Kollegen, München
Bringt die Perspektive der ambulanten fachärztlichen HNO-Versorgung und einer weiteren medizinischen Fachgruppe ein.
Die Initiative ist offen für weitere Vertreterinnen und Vertreter aus Medizin, Pflege, Versorgung und Patienteninteressen.
Jetzt Versorgung erhalten unterstützen
Tragen Sie sich ein und unterstützen Sie unsere Forderung nach einer verlässlichen, wohnortnahen medizinischen Versorgung. Wenn Sie möchten, informieren wir Sie zusätzlich, sobald die spätere Petition zur Mitzeichnung freigeschaltet ist.
* Mit Stern gekennzeichnete Felder sind Pflichtfelder. Die Unterstützung ist kostenlos und unverbindlich.
Häufige Fragen
Ändert sich durch die Reform etwas an meiner Behandlung?
Nicht jede Veränderung wird sofort spürbar. Entscheidend sind die mittel- und langfristigen Folgen für verfügbare Termine, ambulante Leistungen und regionale Versorgungsstrukturen.
Was passiert mit meinen Daten?
Ihre Angaben werden ausschließlich zur Dokumentation und Organisation der Unterstützung verwendet. Wenn Sie zusätzlich informiert werden möchten, erhalten Sie nach Ihrer ausdrücklichen Einwilligung Nachrichten zur späteren Petition. Weitere Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.
Was passiert, wenn eine Praxis ihr Budget ausgeschöpft hat?
Medizinisch notwendige Leistungen verschwinden dadurch nicht. Für eine Praxis können zusätzliche Behandlungen aber wirtschaftlich immer schwerer darstellbar werden, wenn die Vergütung begrenzt ist. Genau deshalb befürchten wir längere Wartezeiten, weniger zusätzliche Termine und Druck auf ambulante Leistungen wie Operationen und Vorsorge.
Was ist der Unterschied zwischen der Initiative und der späteren Petition?
Mit Ihrer Eintragung unterstützen Sie zunächst die Initiative ‚Versorgung erhalten‘. Die eigentliche Petition an den Deutschen Bundestag folgt separat. Wenn Sie der E-Mail-Information zustimmen, informieren wir Sie, sobald die Petition zur Mitzeichnung bereitsteht.
Muss ich für die Unterstützung etwas bezahlen?
Nein. Die Unterstützung der Initiative ist kostenlos und unverbindlich.
Wie kann ich die Initiative unterstützen?
Tragen Sie sich über das Unterstützerformular ein und teilen Sie die Initiative mit anderen.
Glossar – wichtige Begriffe kurz erklärt
Einige Begriffe aus der Gesundheitspolitik sind erklärungsbedürftig. Hier finden Sie die wichtigsten Begriffe kurz und verständlich zusammengefasst.
1) Budgetierung
Die Vergütung ärztlicher Leistungen wird finanziell begrenzt. Ist das verfügbare Budget ausgeschöpft, können zusätzliche Leistungen nicht mehr wirtschaftlich erbracht werden.
2) Ambulantisierung
Behandlungen und Operationen werden ohne stationären Krankenhausaufenthalt durchgeführt, zum Beispiel in einer Praxis oder einem ambulanten OP-Zentrum.
3) Primärarztsystem
Der Hausarzt soll stärker als erste Anlaufstelle dienen und weitere Behandlungen sowie Facharztkontakte koordinieren.
4) Medizinischer Dienst (MD)
Der Medizinische Dienst prüft unter anderem Krankenhausbehandlungen und Abrechnungen im Auftrag der gesetzlichen Krankenkassen.
5) GKV
GKV steht für gesetzliche Krankenversicherung. Dazu gehören die gesetzlichen Krankenkassen, bei denen der überwiegende Teil der Bevölkerung versichert ist.